| Geschichte |
Es lag in meiner Entscheidung, ob ein Kind überleben konnte! Ich besorgte mir von der Kirchengemeinde das Prospektmaterial des Hilfswerkes, bei dem man solche Patenschaften übernehmen konnte. Ich las die Prospekte durch und war begeistert, dass es die Möglichkeit gab, Kindern so direkt zu helfen. Ich fand es gut, dass es einen direkten Bezug zu einem Kind geben konnte. Hier wurde ich persönlich gefordert und es lag jetzt in meiner Entscheidung,ob irgendein Kind in den Hungergebieten überleben konnte. So sah ich das! Und je mehr ich darüber nachdachte, um so mehr wurde mir bewusst, dass da ein Kind auf mein Erbarmen wartete und ich keine Zeit mehr verlieren durfte. Sie können nicht warten! Ich übernahm die Patenschaft. Im Januar 1975 bekam ich einen freundlichen Brief und den Patenbogen des kleinen tibetanischen Jungen Tsewang, der in Rajpur bei Dehra Dun in Nordindien lebte. Ich fing sofort an, meine Beiträge an das Hilfswerk zu zahlen und ich war richtig erleichtert. Ich hatte Angst, auf einen dummen Trick hereingefallen zu sein. Plötzlich schoss es mir durch den Kopf, ob es das Kind auch tatsälich gibt? Wenn ja, bekommt es meine Hilfe überhaupt oder bleibt das Geld in den Taschen irgendwelcher Mittelsmänner hängen? Viel kritische Fragen kamen in mir auf und ich war ein wenig bestürzt, dass mir solche Fragen nicht schon vorher gekommen waren. Einige Monate beschäftigte mich das alles sehr, bis ich beschloss, selber nach Indien zu reisen und der Angelegenheit auf den Grund zu gehen. Ich wollte es genau wissen und hatte Angst, auf einen dummen Trick hereingefallen zu sein. Ich reiste nach Indien und besuchte meinen Patenjungen Tsewang. Es beeindruckte mich sehr, wie gut die Kinder mit allem versorgt wurden. Mein Geld war gut angelegt, ich war sehr beruhigt. Wie konnte man noch mehr Kindern wirkungsvoll helfen? Wärend dieser Zeit besuchte ich viele Familien in ihren Häusern und Hütten. Ich begriff immer mehr, was es hieß, arm zu sein. Es fehlte überall am Nötigsten. In diesen Tagen sah ich so viel, dass ich die neuen und völlig fremden Eindrücke gar nicht so schnell verarbeiten konnte. In den Familien waren es immer wieder die Kinder, die die Leidtragenden waren. Die Erlebnisse regten mich so sehr an, dass meine Gedanken wieder und wieder auf den einen Punkt zurük kamen: Wie konnte man noch mehr Kindern wirkungsvoll helfen? Die Not war erdrückend. Zu Hause angekommen, dachte ich zuerst, ich sei auf einem anderen Planeten gelandet. So unterschiedlich sind Land und Leute, Kultur und Klima. Ich wurde von Herzen dankbar für alles, was ich mein Leben lang ganz selbstverständlich hingenommen hatte. Diese Erlebnisse in Indien wirkten tief in mir nach und ich fühlte, wie es sich nicht verlor, sondern mich innerlich drängte, etwas zu tun. Aber was sollte ich tun? Eines tages kam mir eine Idee, auf die ich schon lange wartete: Die Gründung eines Kinderhilfswerkes! Ich konnte einige Freunde von dieser Idee begeistern und so wurde das Kinderhilfswerk Global-Care (damals Kinderhilfswerk Bergen) gegründet. |